Gewohnheiten ändern aber wie?
- tatjanaaltmann01
- 30. Juni 2023
- 2 Min. Lesezeit
Die Königsdisziplin im Coaching ist für mich die Verhaltensänderung. Über viele Jahre lang eintrainierte Verhaltensweisen zu ändern, ist eine große Aufgabe, die nicht durch eine Coachingsitzung herbeigeführt werden kann. Natürlich gibt es immer wieder Fälle, wo einschneidende Erlebnisse das Verhalten von einem Tag auf den anderen verändern, wie etwa das Rauchen nach einem Herzinfarkt aufzuhören. Doch diese Erlebnisse wollen wir uns nicht herbeisehnen und sind Gott sei Dank die Ausnahme.
Routinen entstehen durch mehrmalige Wiederholungen, die im Gehirn - einfach gesprochen - Gedächtnisspuren bilden. Durch jede Wiederholung wird die Spur tiefer, eingeschliffener (Fischer-Epe, 2013). Wie die viel zitierte Autobahn, auf der wir gerne fahren und die kleinen Nebenstraßen wie selbstverständlich links liegen lassen.
Doch wo kann man im Coaching konkret ansetzen, um Gewohnheiten zu verändern? Nehmen wir einmal an, sie sind eine ungeduldige Führungskraft, die aufgrund ihrer Ungeduld nur schwer delegieren kann und daher in Arbeit unter geht. Wie so oft im Coaching müssen wir zuerst hinter den Vorhang blicken und uns viel mehr mit der Frage beschäftigen, welche "Belohnung" steckt hinter ihrem Verhalten? Welches Motiv wird erfüllt, wenn sie Arbeit an sich nehmen und erledigen? Dieser "Erforschung" muss zuerst Beachtung geschenkt werden, bevor an der Etablierung von neuen Gewohnheiten gearbeitet werden kann.
Charles Duhigg beschreibt in seinem Buch "Die Macht der Gewohnheit" wie ein Auslösereiz eine Routine triggert und damit zur Belohnung führt. Er geht davon aus, dass - wenn Auslösereiz und Belohnung bekannt sind - eine neue Routine etabliert werden kann.
Bleiben wir bei unserem Beispiel. Der Auslösereiz macht sich bei unserer Führungskraft als kribbelndes Gefühl in den Beinen bemerkbar, wenn in einem Meeting Aufgaben zu vergeben sind und sich nicht sofort jemand meldet. Im Normalfall nimmt die Führungskraft dann Aufgaben an sich (Routine). Die Belohnung, die dadurch ausgelöst wird, ist ein gutes Gefühl, sich wieder um alles gekümmert zu haben. Hier gilt es nun, sofort nach dem Auslösereiz eine Musterunterbrechung (Gunther Schmidt) herbei zu führen und bewusst eine "neue Routine" zu starten, damit man nicht wieder in sein bewährtes Muster fällt. Das könnte etwa sein direkt nach dem Auslösereiz "von 20 rückwärts zu zählen und dabei immer bewusst mit dem linken und dann mit dem rechten Fuß zu tippen" oder bewusst den Stapel an unerledigten Aufgaben mit einem passenden Bild zu imaginieren. Die Belohnung "sich wieder um alles- nämlich um sich selbst und die Workload im Team - gekümmert zu haben" kann so auch erreicht werden.

Foto von Sivani Bandaru auf Unsplash
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